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Fibromyalgie Forum Schweiz | Mittlerer Kreis 10 |
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Merkblatt der Sendung «PULS» vom 20. August 2007
Bis zu 200 000 Menschen, davon mehr als 80% Frauen, leiden in der Schweiz an einer rätselhaften Krankheit, die früher einmal Weichteilrheuma hiess und heute den Namen «Fibromyalgie» (Faser-Muskel-Schmerz) trägt.
Viele Symptome
Fibromyalgie-Kranke leiden an starken Dauer-Schmerzen am ganzen Körper, vor allem in der Muskulatur und an den Sehnenansätzen. Die Schmerzempfindlichkeit ist bei Druck auf die Sehnenansätze («Tender-Points») erhöht, insbesondere an Nacken, Schultern, Rücken und Hüften. Oft werden diese Dauer-Schmerzen begleitet von Müdigkeit, Schlafstörungen, Depression, Reizdarm oder Konzentrationsschwäche.
Noch keine körperliche Ursache gefunden
Was diese Krankheit für die Medizin so rätselhaft macht ist, dass eine eindeutige körperliche Ursache bisher nicht gefunden wurde. Allerdings sprechen Studien dafür, dass bei Fibromyalgie-Patienten die Schmerz- und Stressverarbeitung im Gehirn gestört ist. Forscher schlussfolgern: Sie spüren Stress als körperlichen Schmerz. Ihre Schmerzschwelle liegt tiefer als bei Gesunden. Auch andere Sinneswahrnehmungen (z.B. Lärm, Geruch) werden intensiver wahrgenommen.
Der Anteil psychischer Faktoren am Krankheitsbild der Fibromyalgie ist umstritten. Studien aus den letzten Jahren deuten darauf hin, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale das Ausbrechen der Krankheit begünstigen: Konfliktleugnung, die Unfähigkeit, unangenehme Gefühle wahrzunehmen, Perfektionismus, die Angst vor Abhängigkeit, eine Unfähigkeit zu geniessen oder das Umschlagen von Selbstüberforderung in totale Hilflosigkeit.
Insgesamt ist es für viele Forscher naheliegend, dass bei Fibromyalgie komplexe Wechselwirkungen zwischen Nervensystem, Immunsystem und Hormonsystem eine grosse Rolle spielen. Eines von vielen Indizien dafür: Antidepressiva sind bis zu einem gewissen Grade wirksam.
Diagnostik
Gemäss den international anerkannten Diagnosekriterien des American College of Rheumatology wird die Diagnose gestellt anhand der Beschwerden-Schilderung und der Schmerz-Reaktion, die bei Druck auf bestimmte Punkte (Tender Points) hervorgerufen wird.
Bluttests, Röntgen und andere technische Untersuchungen sind nicht geeignet, die Diagnose Fibromyalgie zu stellen, sind aber wichtig, um andere Erkrankungen auszuschliessen.
Therapie
Die Krankheit ist unheilbar, eine wirksame, zur Heilung führende Therapie bei Fibromyalgie gibt es bislang nicht. Jede Patientin muss selber herausfinden, was ihr gut tut und die Schmerzen lindert. Oft kann die Lebensqualität deutlich verbessert werden.
Im Einzelnen können helfen:
Medikamente: Achtung: Rheumamittel helfen nicht. Auch sollte auf Schmerzmittel verzichtet werden. Bewährt haben sich hingegen Antidepressiva.
Bewegung: Ein mildes Fitnesstraining hilft den Betroffenen oft – allerdings manchmal erst nach mehreren Monaten.
Kältekammer-Therapie: Kann die Symptome lindern bis vorübergehend verschwinden lassen. Diese Zeit wird für intensive Physiotherapie genutzt.
Diät: Eine salzarme und streng vegetarische Diät über drei Monate verbesserte in einer Studie Allgemeinbefinden, Schlaf und Schmerzen deutlich.
Gruppentherapie: Viele Patienten profitieren von Programmen zur Stressbewältigung.
Klassische Homöopathie: Effekt zwar nicht eindeutig belegt, aber von manchen Aerzten empfohlen.
So individuell die Beschwerden sind, so unterschiedlich sind auch Mittel, die helfen können.
Insgesamt bewährt hat sich eine interdisziplinäre Therapie, die Physiotherapie, Psychotherapie mit einer Medikamententherapie kombiniert.
Links:
Auch in vielen Kantonen gibt es Selbsthilfegruppen für Fibromyalgie-Patienten:
Fibromyalgie Forum Schweiz,
Mittlerer Kreis 10
CH-4106 Therwil
Tel. 061 711 01 40
info@fibromyalgieforum.ch
www.fibromyalgieforum.ch
Informationen gibt es auch bei der Rheuma-Liga
www.rheumaliga.ch
Experte im Beitrag:
Dr. med. Jörg Jeger
Facharzt für Rheumatologie FMH
Executive MBA Chefarzt MEDAS Zentralschweiz
Zürichstrasse 14
6004 Luzern
Tel. 041 418 80 40
Experte im Studio und Telefon:
Prof. Dr. med. Peter Keel
Psychiater, Bethesda-Spital
Gellertstr 144
4020 Basel
Experten am Telefon:
Dr. med. Daniel Meier
Rheumatologe Bethesda-Spital
Gellertstr. 144
4020 Basel
Dr. med. Stefan Mariacher
Rheumatologe
Chefarzt der Rehaklinik Schinznach Bad
Badstr. 55
5116 Schinznach Bad
Dr. med. David Germann
Rheumatologe
Chefarzt der Rehaklinik Schinznach Bad
Badstr. 55
5116 Schinznach Bad
lic.phil. Roberto Brioschi
Leiter Schmerzprogramm RehaClinic
5330 Bad Zurzach
Martin Verra,
Physiotherapeut RehaClinic
5330 Bad Zurzach